Donnerstag, 17. September 2009

Verirrt in den Bergen Thailands

Auftrag: 2 an der Arbeit unter Kindern interessiert Frauen mit dem Auto von Chiang Mai nach Sobtschom bringen, wo sie einige Tage bleiben werden.
Dauer: 3 Stunden Hinweg / 3 Stunden Rückweg

Die Strecke bin ich bereits vergangenen Sonntag mit Christian gefahren und ich habe mir Mühe gegeben, den Weg komplett einzuprägen.
Guter Dinge habe ich Maria und Alex von Ihrem Hotel abgeholt. Diesmal habe ich auch den Verkehr mit eingeplant, so das ich sogar vor der verabredeten Zeit vorm Hotel stand. Wer micht kennt, weiß, dass ich üblicherweise entweder ziemlich genau oder erst ein paar Minuten später auftauche.
Nachdem wir uns von Julia H. (aus Paderborn) verabschiedet haben (Julia ist gestern nach Deutschland zurück geflogen), sind wir dann frohen Mutes gen Nordosten losgefahren.
Auf etwa der Hälfte der Strecke nach ca. 1,5 Stunden Fahrt haben wir eine Pause an den Heißen Quellen eingelegt. Schon faszinierend, wenn aus dem Boden eine Fontäne mit super warmen Wasser hervorstößt und das permanent, die Temperatur reicht angeblich aus, um Eier darin zu kochen. Ausprobiert habe ich es nicht.
Leider habe ich hier auch den schlechtesten Kaffee genossen, den ich je in Thailand bisher getrunken habe.
Die Fahrt ging wie geplant nach 30 Minuten weiter. Nachdem wir weitere 1,5 Stunden unterwegs waren und alles auch reibungslos lief, wurde die Umgebung für mich immer unbekannter. Sind wir noch richtig?? Müssen wir noch ein Stückchen weiter. Wo ist die Abzweigung nach einer kleinen Rechtskurve, die zum Kinderheim führt?
Sind wir überhaupt im richtigen Ort? Die Schilder sind dort nur noch in Thaischrift. Maria u. Alex konnten mir nicht weiterhelfen, da sie ja noch nie hier waren. Aber großes Lob an sie, dass sie mein Herumirren nicht übel genommen haben, sondern mir immer Mut zugesprochen haben.
Nachdem wir nun ca. 1 Stunde sämtliche Seitenstrassen abgefahren sind, blieb uns nichts anderes übrig, als nach dem Weg zu fragen. Die Omi und auch die beiden Jugendlichen konnten kein Wort englisch und ich kein Wort Thai. Denen konnten wir keine Infos herauslocken. Lediglich in sein Handy hat der eine Jugendliche reingesprochen. In der Hoffnung, dass er Hilfe hinzuholt, blieb ich bei ihm stehen; aber scheinbar hat er nur mit jemanden über diesen dummen Farang gelästert, der neben ihn stand.
Jetzt musste ich Christian beichten, dass ich nicht weiterkomme ... wie peinlich ... es half nichts; ich rief Christian an. Er erklärte nochmals kurz den Weg ... allerdings brach das Gespräch ab > kein Empfang. Wir fuhren mit dem Auto die Straße ein Stückchen weiter, bis wir auf einem Hügel wieder Empfang hatten. Während Christian nochmals den Weg erläuterte und mir wichtige Eckpunkte nannte, musste ich das Warnsignal meines Handy vernehmen, welches darauf hin wies, dass das Akku recht leer ist. Wie es so kommen muss, brach wenige Sekunden später das Gespräch ab. Mein Handy bekam ich nicht mehr an. Also musste Marias Handy herhalten. Leider teilte Maria mir mit, dass auch ihr Akku leer ist.
Was tun?
Als nächstes versuchte ich es in einer Bankfiliale. Nachdem ich an den Filialleiter verwiesen wurde (wohl der einzige, der Englisch konnte), bekam ich eine Wegbeschreibung aufgemalt mit dem Hinweis, dass es nur 5 km entfernt ist.
Wieder Mut gefasst, sind wir die 5 km abgefahren, konnten aber immer noch nicht die Abzweigung finden. Leute auf der Straße wollten oder konnten uns nicht weiterhelfen, wahrscheinlich aber auch, weil sie uns nicht verstanden. Alles Fragen half nichts.
Zu guter letzt hielten wir vor einem Internetcafe neben dem Polizeicheckpoint an. Hier müssen die doch Englisch verstehen ... Fehlanzeige!
Nochmals versuchte ich, mit Marias Telefon bei Christian anzurufen. Es klappte!!! Ihm kurz erklärt, wo wir sind und gebeten, den Hausvater vom Kinderheim anzurufen, damit er uns da mit dem Moped abholt ... in diesem Moment brach das Gespräch wieder ab.
In der Hoffnung, dass Christian unserer Bitte nachkommt, haben wir dann geduldig auf ein Moped gewartet. Allerdings kam keins. Nach geraumer Zeit haben wir uns dazu entschlossen, es mal mit der örtlichen Polizei zu versuchen. Ich bin dann zum Gebäude des Polizeicheckpoints rübergegangen und fand dort 2 Polizisten in T-Shirt und Boxershorts (oder was ähnliches) vor. Wahrscheinlich war es ihnen peinlich, dass ich sie in diesem Outfit sah, was mir allerdings in diesem Moment total egal war. Ich habe sie dann in englisch zugetextet, bis ich den Eindruck hatte, dass einer der beiden mich verstanden hat und auch das Kinderheim kennt. Ich fragte ihn mit Händen und füssen und in thai-englisch, ob er uns den Weg zeigen kann und wir ihm folgen können. Er nickte zustimmend und verschwand wieder in seinem Büro, von wo er wenige Momente später in kompletter Uniform und in gewachsten Polizeistiefeln wieder herauskam.
Gerade in diesem Moment schaltete Maria ihr Handy erneut ein und das Telefon klingelte sofort. Am anderen Ende war Neaw (jetzt weiß ich endlich, wie ihr Name geschrieben wird), die Dolmetscherin von Christian und Andrea. Ich sagte ihr kurz, dass ich das Handy an den Polizisten weitergebe. Ihm erklärte sie dann in Thai, wohin wir wollten. Verständiges Nicken des Polizisten machte uns Mut. Nachdem der Polizist aufgelegt und mir das Handy zurückgab, wies er uns an, dass wir dem Polizeiauto folgen sollten.
Im Schneckentempo fuhren wir ca. 500 Meter die Strasse entlang, bis das Polizeiauto auf einmal nach rechts abbog. Häh??? Rechts???? Diese Abzweigung hatte ich total nicht mehr in Erinnerung, aber kurz danach kam mir die Umgebung wieder bekannt vor. Nach weiteren 200 Metern konnten wir bereits das Kinderheim hinter einer Baumreihe erkennen.
Die Aufregung war groß, als wir beim Kinderheim mit Polizeiescorte vorfuhren und wahrscheinlich wird es auch das Dorfgespräch für die nächsten Wochen sein. Wir bedankten uns herzlich für die Hilfe der Sheriffs.
Im Kinderheim wurden wir herzlichst empfangen. Die Hauseltern kannte ich bereits vom Sonntag, so dass das Eis schnell gebrochen war.
Nach einem leckeren Thaiessen habe ich mich dann von allen (auch von Maria u. Alex) verabschiedet und bin wieder zurück nach Chiang Mai gefahren. Diesmal ohne sich zu verfahren ;-)
Ein Erlebnis ... dass ich so schnell wohl nicht mehr vergessen werde ...

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